Aus der Stadtgeschichte

An dieser Stelle eine besondere Würdigung:

Die im folgenden Text zusammengestellten Fakten entstammen wie auch eine Reihe weiterer Informationen und einige Abbildungen auf diesen Seiten den Recherchen von Dr. Peter Kuhlbrodt.

Sie wurden u.a. veröffentlicht in seinem Buch

"Das alte Ellrich. Geschichte einer Südharzstadt",

Verlag Neukirchner Nordhausen, erschienen 2000.

                Nutzen Sie die Textmarken:

1000 - 1500 1500 - 1700 1700 - 1800 1800 - 1900 seit 1900

 

Die Anfänge

Die Geschichte der Stadt Ellrich reicht mindestens bis in das 8. Jahrhundert n. Chr. zurück. Damals dürfte im Schutz der seit etwa 720 bestehenden Wehrkirche St. Marien  auf dem Frauenberg eine erste Siedlung auf einer ehemaligen germanischen Kultstätte ca. 500m südlich des Berges entstanden sein. Erstmalig urkundlich erwähnt wird ein Ort als „villa“ (Hof oder Dorf) mit Namen ALARICI oder ALRICHESTAT um 876 n. Chr. als zehntpflichtiger (Abgaben zu erbringender) Fuldaer Lehnssitz.  Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich aus der Bezeichnung ALARICI zunächst ELEREKE, dann ELLERICH, ELRICHE, ELRICH bis zur heutigen Schreibweise ELLRICH. Der Ursprung der Ortsbezeichnung wird mit dem Namen ALARICH in Verbindung gebracht und könnte auf den Namen eines fränkischen Stammesfürsten zurückgehen. Später könnte die in dieser Gegend häufig vorkommende Erle - die „Eller“ - den Namen umgeprägt haben. Noch heute findet sich die Flurbezeichnung „Ellernhain“ für einen Auenwald nordwestlich der Stadt am Flusslauf der Zorge.

 

1500 - 1700 1700 - 1800 1800 - 1900 seit 1900

 

1000 bis 1500

Im frühen Mittelalter muss sich der Ort auch aufgrund seiner Lage an der Handelsstraße von Nordhausen nach Westen schnell zu einer größeren Siedlung entwickelt haben. Dabei blieb der ländliche Charakter erhalten. Im 10. Jahrhundert wurde die Ortskirche St. Johannes von Königin Mathilde gegründet - vermutlich schon innerhalb einer ersten Befestigungsanlage. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts wird im Südwesten des Ortes an der Handelsstraße nach Nordhausen das Hospital mit der Kapelle St. Spiritus als Stiftung gegründet.

Die Anfänge als Stadt fallen vermutlich in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit gehörte Ellrich zum Besitz der Grafen von Klettenberg, die demnach die Stadtgründer gewesen sein dürften. Stadt im vollen Rechtssinn wird Ellrich unter den Grafen von Honstein, die den Ort Mitte des 13. Jahrhunderts erwarben. Die Bedeutung des Honsteiner Grafengeschlechtes für die Stadt Ellrich kann man auch daran ablesen, dass deren Wappen und Farben (das rot-silberne Schachbrettschild) bereits im ältesten Stadtsiegel zu erkennen sind und bis heute im Stadtwappen überdauert haben.

Etwa um 1286 erhielt der Ort das Stadtrecht. Die Grafen von Honstein lassen in Ellrich Münzen prägen. Im Jahre 1292 wird Ellrich erstmals „civitas“ (Stadt) genannt und es werden „consules“ (Ratsherren) erwähnt.  Um 1315 ist dann bereits von einer ausgedehnten Stadtbefestigung mit einer Reihe von Türmen und doppelten Toren die Rede und 1331 taucht in einer Urkunde das deutsche Wort „stat“ als Kennzeichnung auf.

 

bis 1000 1700 - 1800 1800 - 1900 seit 1900

 

1500 bis 1700

1530 erhält die Stadt das Bierbraumonopol der Herrschaft Klettenberg. 1556 wird die Einführung der evangelischen Religion nach der Augsburger Konfession in der gesamten Grafschaft beschlossen. Das Honsteiner Geschlecht starb 1593 aus, so dass Ellrich in der Folgezeit unter die verschiedensten Herrschaften fiel, zunächst an die Grafen von Stolberg und Schwarzburg, dann an den Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel. 1627 wird die Stadt ein Opfer der Wirren des 30-jährigen Krieges. Die Stadt brennt vermutlich durch Brandstiftung fast vollständig nieder. 1648 brennt der nördliche Teil der Stadt nieder. Nach dem Krieg fällt Ellrich 1650 an den Kurfürsten von Brandenburg, der damit den Grafen von Sayn und Wittgenstein belehnt. 1666 brennt die Walkenrieder Vorstadt. 1698 unterstellt Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg die Grafschaft seiner alleinigen Herrschaft.

 

bis 1000 1000 - 1500 1800 - 1900 seit 1900

 

1700 bis 1800

1701 mit der Krönung des Kurfürsten von Brandenburg zum König von Preußen wird die Grafschaft Hohnstein preußische Provinz und Ellrich Regierungssitz. 1714 wird die Regierungsgewalt der Kriegs- und Domänenkammer in Halberstadt übertragen. 1722 fällt fast die gesamte Nordhäuser Vorstadt einem Feuer zum Opfer. 1729 löst ein Blitzschlag einen Großbrand im Zentrum der Stadt aus. Im Siebenjährigen Krieg ziehen Verbände der unterschiedlichsten Armeen durch Ellrich und belasten die kleine Stadt erheblich: Franzosen, Reichstruppen, Württemberger und wieder Franzosen plündern, requirieren, erpressen Lösegelder und lassen sich beköstigen ...

1770 wird Ellrich Sitz einer Kriegs- und Domänenkammer-Deputation. Hier wirkt von 1770 bis 1786 u.a. der als Dichter und Herausgeber des "Journals von und für Deutschland" bekannt gewordene Leopold Friedrich Günther von Goeckingk (1748-1828). 1805 besucht König Friedrich Wilhelm III. mit Gefolge Ellrich und übernachtet im Rathaus.

Entwicklung der Stadtgröße:

Jahr: 1623 1647 1655 1701 1722 1741 1763 1767 1772 1790 1794 1805
Häuser: 425 146 205 350 380 375 369 370 371 374 399 404

 

bis 1000 1000 - 1500 1500 - 1700 seit 1900

 

1800 bis 1900

Nach der Niederlage bei Jena und Auerstedt ziehen sich die Preußen 1806 zurück, Franzosen besetzen die Stadt und gliedern sie als Canton Ellrich dem Königreich Westfalen an. Am Karfreitag 1813 endet das westfälische Zwischenspiel mit dem Einzug der Kosaken als Vorhut der russisch-preußischen Hauptarmee. Nach 1815 beginnt der wirtschaftliche Niedergang der Region. Mit dem großen Stadtbrand im September 1841, dem der größte Teil des Stadtzentrums und der Nicolai-Vorstadt zum Opfer fallen, nimmt die Verarmung weiter zu. Im Winter 1846/47 fielen viele Bürger dem Hunger und dem Typhus zum Opfer, andere gingen betteln. Zu dieser Zeit entsteht vermutlich der Spottname "Bettelfanien", der möglicherweise zurückgeht auf einen Erlaubnisbrief (Bettelbrief oder Bettelfahne) des Landesherrn für Ellricher Bürger, in den Nachbarstädten um Almosen bitten zu dürfen. 1849 erschüttert eine Cholera-Epidemie die Stadt. 1860 - erneut im September - verwüstet ein Großbrand das gesamte Stadtinnere einschließlich der Johanniskirche. 215 Familien (880 Personen) werden obdachlos. 145 Wohngebäude, 71 Scheunen und 274 Nebengebäude werden ein Raub der Flammen.

Nach 1869 beginnt auch in Ellrich der wirtschaftliche Aufschwung. Zunächst geht eine Zigarrenfabrik in Betrieb. Mit der Eröffnung der Bahnlinie Nordhausen - Herzberg - Northeim entwickelt sich die Gipsindustrie zu einem zentralen Wirtschaftsfaktor. Es folgen Schuhleistenfabriken, Formsandgewinnung, Webereien und Bekleidungsindustrie. Zur Jahrhundertwende gibt es in Ellrich bereits über 700 Wohnhäuser.

Entwicklung der Einwohnerzahlen:

Jahr: 1849 1852 1855 1858 1864 1875 1880 1899
Einwohner: 2941 2799 2744 2772 2806 2744 3038 4528

 

bis 1000 1000 - 1500 1500 - 1700 1700 - 1800

 

seit 1900

1906 wird die Kleinbahnstrecke Ellrich - Zorge eingeweiht, die der Region einen weiteren Aufschwung beschert. Noch einmal schlägt der Feuerteufel zu: 1907 fängt die markante Stadtkirche St. Johannis durch Blitzschlag Feuer und brennt völlig aus. Doch schon 1908 läuten wieder ihre Glocken. 1911 beschließt der Magistrat, in der Nähe der katholischen Kirche die Stadtmauer an ihrer Ostseite zu durchbrechen - der Torbogen entsteht 1912.

Entwicklung der Einwohnerzahlen:

Jahr: 1910 1925 1930 1931
Einwohner: 4839 4716 4754 4744

Wird fortgesetzt !!!